TL;DR: Die FlexCo (Flexible Kapitalgesellschaft) ist seit 1.1.2024 die vierte Kapitalgesellschaftsform in Österreich. Sie kombiniert den Haftungsschutz der GmbH mit einer mitarbeiter-freundlichen Beteiligungsmechanik über Unternehmenswert-Anteile. Gründung ab 10.000 € Stammkapital, Notariatsakt zwingend, Firmenbuch-Eintragung in 2–4 Wochen.

Du willst gründen und hörst überall „FlexCo". Dieser Artikel erklärt dir ohne Umwege, wann die FlexCo Sinn macht, was sie kostet, wie lange die Gründung dauert — und welche drei Fehler du nicht machen darfst.

Was die FlexCo ist

Die FlexCo (gesetzlich: Flexible Kapitalgesellschaft, FlexKapG) ist eine eigenständige Rechtsform, geregelt im FlexKapGG (BGBl. I Nr. 179/2023). Inkrafttreten 1.1.2024. Sie steht neben GmbH und AG als Kapitalgesellschaft — nicht als deren Abwandlung. Der Gesetzgeber wollte eine Rechtsform schaffen, die zu den Anforderungen moderner Startups passt: niedrige Einstiegshürden, Mitarbeiterbeteiligung ohne Notariatsakt, Kapitalmaßnahmen mit schriftlichem Umlaufbeschluss statt Gesellschafterversammlung.

Stammkapital — was du wirklich einzahlen musst

Mindeststammkapital: 10.000 € (§ 5 FlexKapGG). Davon mindestens 5.000 € bar einzahlen bei Gründung. Der Rest kann als Sacheinlage oder später eingebracht werden.

Wichtig zu wissen: Das GesRÄG 2023 (BGBl. I Nr. 179/2023) hat mit Wirkung 01.01.2024 auch das GmbH-Mindeststammkapital auf 10.000 € abgesenkt (§ 6 Abs. 1 GmbHG). Die alte Gründungsprivilegierung nach § 10b GmbHG (10.000 € befristet auf 10 Jahre) wurde ersatzlos gestrichen. GmbH und FlexCo haben also dasselbe Mindeststammkapital. Der Unterschied zwischen den beiden Rechtsformen liegt heute nicht mehr im Kapital, sondern in der Satzungsflexibilität, in den Unternehmenswert-Anteilen und in der Online-Gründungsmechanik.

Unternehmenswert-Anteile (§ 9 FlexKapGG) — das Kernfeature

Das namensgebende Feature: Unternehmenswert-Anteile sind eine eigene Gattung, die Mitarbeiter am Unternehmenswert beteiligen, ohne volle Gesellschafter­stellung zu vermitteln. Konkret:

  • Bis zu 25 % des Stammkapitals können als Unternehmenswert-Anteile ausgegeben werden.
  • Kein Notariatsakt für die Übertragung — Schriftform reicht.
  • Stimmrecht eingeschränkt — typischerweise nur bei existenziellen Beschlüssen.
  • Gewinn- und Liquidationsanteil wie andere Gesellschafter.

Das ist für ESOP-/VSOP-Modelle der Gamechanger. In einer klassischen GmbH kostet jeder Mitarbeiter-Anteilstausch Notar + Firmenbucheintragung — bei 20 Mitarbeitern schnell vierstellig pro Runde.

Gründungs-Kosten in Österreich (realistische Bandbreite)

  • Notariatsakt: 600–1.200 € (abhängig von Kapitalhöhe und Anzahl Gesellschafter)
  • Firmenbuch-Eintragung: ca. 350 €
  • Wirtschaftskammer-Erstmitgliedschaft: erste 2 Jahre kostenfrei (NeuFöG)
  • Rechtsform-/Gesellschaftsvertrags-Beratung: je nach Komplexität 1.500–5.000 € Fixpreis
  • Stammkapital bar: 5.000 € (sofort eingezahlt) + 5.000 € ausstehend

Realistischer Gesamtaufwand inkl. Stammkapital-Cash-out bei Start: ca. 7.500–9.000 €.

Zeitplan — 3 bis 4 Wochen

  1. Woche 1: Rechtsform-Entscheidung, Gesellschaftsvertrag-Entwurf
  2. Woche 2: Notariatstermin, Kapitaleinzahlung, Firmenbuch-Anmeldung
  3. Woche 3–4: Firmenbuch-Eintragung, Finanzamt-Meldungen, Gewerbeanmeldung, Bankkonto final

Drei Fehler, die du nicht machen darfst

  1. FlexCo wählen, obwohl du keine Mitarbeiter-Beteiligung planst. Wenn du nie Unternehmenswert-Anteile ausgeben wirst, ist die GmbH wahrscheinlich das robustere Instrument — mehr Rechtsprechung, bekannter bei Banken, einfacher bei Exit.
  2. Gesellschaftsvertrag aus dem Internet kopieren. Die FlexCo ist neu, Muster-Verträge sind dünn und oft fehlerhaft. Ein schlechter Vertrag kostet dich bei der ersten Finanzierungsrunde mehr als sauberes Drafting.
  3. Unternehmenswert-Anteile ohne Vesting-Regel ausgeben. Wer morgen geht, darf nicht in zwei Jahren beim Exit mitkassieren. Vesting gehört in den Gesellschaftsvertrag oder in den Anteilsbestellungsvertrag.

FAQ

Ist die FlexCo günstiger als eine GmbH?

Nicht in der Gründung — die Notariatskosten sind ähnlich. Günstiger ist sie in der laufenden Kapital-Bewegung: Anteilsübertragungen kosten weniger Formalität.

Kann ich eine GmbH in eine FlexCo umwandeln?

Ja. Rechtsformwechsel nach § 35 FlexKapGG, steuerneutral möglich. Ratsam nur, wenn das Mitarbeiter-Beteiligungsargument trägt.

Welche Branche passt zur FlexCo?

Startups mit Mitarbeiter-Equity-Plänen: Software, SaaS, Deep-Tech, Healthtech. Für klassische operative Mittelständler ohne ESOP ist die GmbH meist passender.

Quellen

Interne Verlinkung

Nächster Schritt

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