TL;DR: Art. III UmgrStG ermöglicht die steuerneutrale Einbringung eines Einzelunternehmens in eine GmbH — mit Rückwirkung bis 9 Monate. Richtig aufgesetzt sparst du Einkommensteuer auf stille Reserven. Falsch aufgesetzt zahlst du doppelt.

Du bist Einzelunternehmer und willst in die GmbH wechseln. Dieser Artikel erklärt, warum die Umgründungsvariante fast immer besser ist als „alte Firma zu, neue Firma auf".

Warum nicht einfach schließen und neu gründen?

Wenn du dein Einzelunternehmen liquidierst, realisierst du steuerlich alle stillen Reserven. Beispiel: Dein Unternehmen hat einen Firmenwert (Kundenstamm, Marke) von 200.000 €, bilanziell aber nur 10.000 € Eigenkapital. Bei Liquidation versteuerst du 190.000 € als Einkommen. Je nach Tarifstufe 40–55 % = 76.000–104.500 € Steuer.

Art. III UmgrStG erlaubt dir, das Einzelunternehmen steuerneutral in die GmbH zu überführen — die stillen Reserven werden nicht realisiert, sondern mit den Buchwerten fortgeführt.

Die drei Kernbedingungen von Art. III UmgrStG

  1. Einbringungsgegenstand: Ein Betrieb, Teilbetrieb oder Mitunternehmer­anteil wird eingebracht. Einzelwirtschaftsgüter ohne funktionalen Zusammenhang reichen nicht.
  2. Gegenleistung: Die übernehmende GmbH gewährt Anteile (Stammkapital, Kapitalrücklage). Reine Geldgegenleistung schließt die Steuerneutralität aus.
  3. Rückwirkung: Stichtag der Einbringung kann bis zu 9 Monate zurückreichen. Formell muss die Umgründung aber innerhalb dieser 9 Monate beim Finanzamt gemeldet sein.

Zeitplan — realistisch 6 bis 10 Wochen

  1. Woche 1–2: Einbringungsvertrag drafting, Bewertung des Einzelunternehmens, Stichtagsfestlegung
  2. Woche 3–4: Schlussbilanz zum Einbringungsstichtag, Einbringungsbilanz
  3. Woche 5–6: GmbH-Gründung oder Kapital­erhöhung bei bestehender GmbH, Notariatsakt
  4. Woche 7–8: Firmenbuch-Eintragung, Finanzamts-Meldung (Form U 30 — Umgründungsanzeige)
  5. Woche 9–10: Gewerbeummeldung, Bankkonto-Überleitung, Kunden-Informationen

Häufige Fallen

Falle 1: Verlustvorträge gehen verloren

Eigene Verlustvorträge des Einzelunternehmers bleiben grundsätzlich bei ihm — sie gehen nicht auf die GmbH über. Wenn das Einzelunternehmen in den letzten Jahren Verluste gemacht hat, könnten diese in der GmbH verpuffen.

Gestaltung: In manchen Fällen sinnvoll, einen Teil des Gewinns vor Einbringung im Einzelunternehmen zu realisieren, um die Verluste zu nutzen. Steuerberatung zwingend.

Falle 2: Rückwirkender Stichtag ohne echte Aktivität

Wenn du als Stichtag 1.1. wählst, aber die Einbringung erst im August notariell fixierst, lebt die GmbH rechtlich erst ab Notariatsakt — gleichzeitig steuerlich ab 1.1. Zwischen Januar und August abgeschlossene Verträge musst du sauber zuordnen. Im Einbringungsvertrag explizit regeln.

Falle 3: Sozialversicherung-Falle

Als Einzelunternehmer bist du in der SVS pflichtversichert, als Gesellschafter-Geschäftsführer je nach Beteiligung in SVS oder ASVG. Beim Wechsel entsteht oft eine SV-Mehrbelastung, die übersehen wird. Vor Umgründung durchrechnen.

Kosten — realistisch 5.000 bis 15.000 €

  • Steuerberatung für Einbringungsbilanz und U 30: 2.500–5.000 €
  • Rechtliche Vertragsgestaltung: 1.500–4.000 €
  • Notariatskosten (GmbH-Gründung oder Kapital­erhöhung): 800–2.000 €
  • Firmenbucheintragung + Gebühren: ca. 500 €
  • Bewertungsgutachten (bei Bedarf): 1.500–3.000 €

Bei einem Einzelunternehmen mit Firmenwert von 200.000 € rechtfertigt die eingesparte Steuer (bis 100.000 €) diesen Aufwand locker.

Wann die Umgründung nicht sinnvoll ist

  • Dein Einzelunternehmen hat keine stillen Reserven (nur Gleichstand Buchwert = Verkehrswert)
  • Dein Einzelunternehmen ist ein reines Namensgeschäft ohne materiellen Substrat
  • Du willst die Kundenstruktur ohnehin grundlegend ändern
  • Kurzfristiger Entscheidungsdruck, unter 9 Monaten Zeitfenster nicht nutzbar

FAQ

Kann ich rückwirkend zum 1.1. einbringen, wenn wir heute Oktober haben?

Ja, solange die Einbringung formell innerhalb der 9-Monats-Frist (also bis 30.9. für Stichtag 1.1.) beim Finanzamt gemeldet ist. Nach Ablauf greift die Rückwirkung nicht mehr.

Muss ich ein Bewertungsgutachten erstellen lassen?

Nicht zwingend — außer bei Sacheinlagen über definierten Schwellwerten und bei Einbringung in eine GmbH mit weiteren Gesellschaftern. Im Zweifel durch Wirtschaftstreuhänder.

Bleibt meine UID-Nummer gleich?

Nein. Die GmbH bekommt eine neue UID. Alte Verträge, Rechnungen, AGB müssen angepasst werden.

Quellen

Interne Verlinkung

Nächster Schritt

Ein sauber aufgesetzter Einbringungsvertrag spart bis zu sechsstellige Steuerbeträge. 30-Min-Sparring, Voraussetzungen-Check, Zeitplan.