TL;DR: Eine schlecht vorbereitete Due Diligence verlängert die Finanzierungs­runde um 6–10 Wochen und schwächt deine Verhandlungs­position. 8 Dokumenten­bereiche, die vor dem ersten Investoren­gespräch sauber strukturiert sein müssen.

Warum Due Diligence jetzt relevant ist

Investoren prüfen dein Unternehmen auf rechtliche, steuerliche, finanzielle und operative Risiken, bevor sie Geld überweisen. Der Data Room ist das Schaufenster dieser Prüfung. Was du dort zeigst, bestimmt, ob Investoren Geschwindigkeit oder Zweifel entwickeln.

Praktische Regel: Baue den Data Room mindestens 4 Wochen vor dem ersten Term-Sheet-Pitch. Wer das unter Druck macht, zeigt schlecht strukturiert — und das ist das erste Signal im Prozess.

Die 8 Pflicht-Bereiche

1. Corporate / Gesellschaftsrechtliches

  • Aktueller Firmenbuchauszug
  • Gesellschaftsvertrag in aktueller Fassung
  • Alle Gesellschafter­beschlüsse (Register)
  • Syndikatsvertrag / Gesellschafter­vereinbarung
  • Cap Table — Excel, lückenlos von Gründung bis heute
  • Alle Kapital­maßnahmen (Erhöhungen, Herabsetzungen, Umgründungen)
  • ESOP / VSOP-Dokumentation inkl. Vesting-Status aller Mitarbeiter

2. Finanzwesen

  • Jahresabschlüsse der letzten 3 Jahre (GuV, Bilanz, Anhang)
  • Zwischen­abschlüsse wenn älter als 3 Monate
  • Monatliches Management Reporting der letzten 12 Monate
  • Budget / Forecast (realistisch, nicht der Pitch-Hockey-Stick)
  • Bankkonto­auszüge der letzten 6 Monate
  • Offene Posten Debitoren / Kreditoren
  • Bestehende Darlehen, Förderungen, Kreditzusagen

3. Steuerliches

  • Steuer­bescheide der letzten 3 Jahre (KöSt, USt)
  • Offene Steuerstreitigkeiten
  • Prüfungen / Betriebs­prüfungen — Ergebnisse, offene Punkte
  • Verrechnungspreise bei internationalen Strukturen
  • F&E-Prämie / Forschungs­förderung Nachweise

4. Arbeitsrecht und Mitarbeiter

  • Liste aller aktiven Dienst­verträge
  • Geschäftsführer-Verträge
  • Gehalts­struktur und Bonus­regelungen
  • Sozial­versicherungs­anmeldungen
  • Pensions­zusagen (häufig übersehen, kann zur Altlast werden)
  • Betriebs­vereinbarungen sofern vorhanden

5. Verträge (Commercial)

  • Top-20-Kundenverträge nach Umsatz
  • Top-10-Lieferantenverträge
  • Change-of-Control-Klauseln — markiert, welche bei Finanzierung greifen
  • Exklusivitätsvereinbarungen
  • Franchise- / Distributions­verträge
  • Gesellschaftsrechtliche Bindungen (Joint Ventures, Beteiligungen)

6. Intellectual Property

  • Registrierte Marken, Patente, Designs
  • Domain-Portfolio
  • Lizenz­verträge (eingehend wie ausgehend)
  • Open-Source-Komponenten im Produkt mit Lizenz­einstufung
  • F&E-Verträge mit Externen (wer hält welche Rechte?)
  • Arbeitsrechtliche IP-Abtretung (Mitarbeiter, Auftragnehmer) — Standard-Klauseln vorhanden?

7. Datenschutz und Compliance

  • DSGVO-Doku­mentation: Verarbeitungs­verzeichnis, DSFA wo nötig, TOMs
  • AV-Verträge mit allen relevanten Auftrags­verarbeitern
  • Rechts­streitigkeiten laufend und abgeschlossen

8. Immobilien und Anlagen

  • Mietverträge Büro, Labor, Lager
  • Kündigungs­fristen und Change-of-Control-Klauseln
  • Anlage­verzeichnis mit Restbuchwerten
  • Leasing­verträge

Was deine Data-Room-Strategie verraten wird

Investoren lesen deinen Data Room als psychologisches Profil:

  • Vollständig, sauber strukturiert, datiert: Du hast Prozess, du hast Disziplin, du wirst nach Investment weiterhin geordnet arbeiten.
  • Lücken, alte Versionen, parallele Ordner: Du improvisierst. Investoren rechnen mit Überraschungen nach Closing.
  • Alles-im-Haupt-Ordner-ohne-Struktur: Dein Team arbeitet unstrukturiert. Das Investment kommt trotzdem, aber mit aggressiveren Konditionen.

Red-Flag-Bereiche — was Investoren als Erstes prüfen

  1. Cap Table: Jede Diskrepanz zwischen Pitchdeck-Prozenten und Firmenbuch kostet Glaubwürdigkeit.
  2. IP-Abtretung der Gründer: Hat jeder Gründer seine IP-Beiträge an die Gesellschaft abgetreten? Oft nicht dokumentiert — dann gehört das Kernprodukt den Gründern persönlich, nicht der Gesellschaft.
  3. Change-of-Control-Klauseln bei Top-Kunden: Falls ein Großkunde bei Investment aussteigen kann, sinkt der Bewertungs­ansatz drastisch.
  4. Ungeklärte Gesellschafter­streitigkeiten: Auch kleine offene Fragen verzögern Closings um Wochen.

FAQ

Wie lange dauert eine DD bei einer österreichischen Series-A?

4–8 Wochen vom NDA bis Term Sheet-Unterzeichnung. Legal DD ist meist der Engpass.

Brauche ich einen externen Data-Room-Anbieter (z. B. Drooms, iDeals)?

Ab Series A: ja. Audit-Trail, Versions­kontrolle, Watermarking. Kosten 500–2.000 € für ein DD-Fenster.

(1) IP-Ansprüche früherer Gründer, (2) ungeklärte Mitarbeiter­beteiligungen, (3) Change-of-Control bei Schlüssel­kunden, (4) offene Steuerstreitigkeiten.

Quellen

Interne Verlinkung

Nächster Schritt

DD-Readiness-Sparring — 30 Minuten, Lücken-Analyse, Priorisierung der nächsten 4 Wochen.